Fichte-Blog

Wenn der Advent ankommt

Es grünt so grün, wenn Fichtes Blüten blühen!

 

 

Und auf einmal war sie da: Die geschlossene Haustüre!

Entsetzen an manchen Orten, die sonst so einladend offenstehende Fichtehaustüre fällt nunmehr Mal um Mal krachend ins Schloss. Grund dafür ist nicht etwa eine veränderte Wohnkultur, im Fichtehaus ist es warm und wohnlich wie eh und je. Und auf einmal war sie da: Die geschlossene Haustüre!

Verantwortlich für die immer öfter zugezogene Türe ist vielmehr der eisige Wind, der draußen den kommenden Winter ankündigt. Doch mit dem Winter kommt der Advent und mit dem Advent zieht auch eine ganz besondere Farbe ins Fichtehaus ein.

Und auf einmal war es da: Das Grün!

Tritt man durch die Türe ins Haus, so sticht einem zuerst der mächtige Adventskranz ins Auge. Groß und doch leicht schwebend hängt er im Treppenhaus. Und der Ort, an dem er hängt, ist nicht zufällig gewählt. Beim, besonders nach Einkäufen oft mühsamen, Aufstieg in den ersten Stock, geht man direkt an ihm vorbei und kann ihn also von unten, der Seite und von oben bewundern. Das Grün der Fichtenadeln strahlt einen dabei von allen Seiten an.

Schafft man es, seinen Blick von diesem Klassiker der Adventszeit zu lösen, und geht man auf der Treppe weiter gen Himmel (3 West), so erblickt man den nächsten, wenngleich jüngeren Klassiker der Adventszeit: Viele bunte Wichtesocken. 

Fleißige Adventswichtel haben das Fichtehaus besucht, von jeder*m einen Socken eingesammelt und gut gefüllt mit feinen und leckeren Überraschungen für Magen, Auge und Herz wieder aufgehängt. Efeu umrankt die Sockenkonstruktion und weckt die Vorfreude auf den Tag, an dem man seinen eigenen Socken öffnen darf. 

Was darin wartet? Das wissen nur die Wichtel und nach und nach auch immer mehr Fichten.

Also lass doch von der Türe nicht abschrecken, komm ins adventliche Fichtehaus voller Wichtel, Kerzen und Vorfreude.

 


KLEINKUNSTABEND Winter 2019

     

     

KENN KULT BEI SAND

Der Einstieg in den diessemestrigen Kleinkunstabend war sogleich anspruchsvoller Genuss: Julia - erst kürzliche Fichtehausbewohnerin - beeindruckte mit mehreren sphärisch klingenden Stücken auf der Querflöte. Sie löste damit gleich die überflüssige Bodenhaftung für losgelöste Aufnahmebereitschaft.

BANNSTU EKEL KIND?

Die bannende Macht eines kreiselnden Holzkreisels und anderer kreisender Aktivitäten im Leben wurde uns in einer anrührenden Erzählung von Christian beschrieben.

STANK BEIN DUNKEL?

Darauf folgte ein unter die Haut gehender Text von Gideon. Wie viel Tagtraum steckt in Zukunftsplänen und andersherum?

BANDITEN LUKSEN K!

... wie Kunstmusik: von Conni, Alex und Ivo bekamen wir drei kurze Stücke von Schostakowitsch für Klavier und zwei Geigen zu hören.

IK BANNTE DUNKLES

Domi an der Geige und Philip am Klavier beeindruckten wieder einmal mit einer gemeinsamen Improvisation - Hut ab, Licht aus!

KNUTS LINKE BANDE

Unser Knut hieß Hans und einziges Bandenmitglied ist normalerweise seine Gitarre - heute jedoch auch das lauschende Publikum im Saal des Fichtehauses. Seine Texte handeln davon, wie das Meinung-haben zu jeder x-beliebigen Lebensfrage einen manchmal nur noch nervt, man aber auf der anderen Seite (und im 2. Lied) oft nicht Stellung bezieht, wenn es wichtig wäre. Saisonpassender Abschluss ist Konsumkritik auf Jingle-Bells-Melodie.

AB KINN DUNKELT ES

Ein sehr poetischer Liedtext, geschrieben und gesungen von Oliver an der Gitarre.

BIN ALEKS, DU KENNT?

Natürlich! Alex und seine Liebeslieder auf die Frauen des Fichtehauses gelten als Klassiker der Kleinkunstabende. Diesmal waren es sogar 11 Frauen, die besungen wurden, diese Nummer versprach wieder einmal tagelange Ohrwürmer.

DENK UNS LIEB NAKT

Zur Überraschung kriegte Alex danach nun auch mal selbst sein Reimschema ab - 2West kübelte unzählige Reime auf -ex auf die Bühne und war im schüchtern-schnellen Loswerden des Mikrofons sehr süß anzusehen!

SEIN BANDENKULT - K

Die Jongleure hätten als alteingesessene Kleinkünstler*innen ein solches verdient! Die diessemestrige Performance tanzte aus der Reihe, da sie durch mindestens so viel Fuß(!)- wie Handeinsatz gekennzeichnet war.

BANN DUNKLE KISTE

Nina Lenz trug uns ihren Gedichtzyklus Archiviertes vor, der beim Recherchieren im Hannah Arendt - Archiv in Marburg entstand.

KUNST KAN BILDEEEN!!

Zum Beispiel lehrte uns das selbstgeschriebene Lied von Hannah Hüsken, was man braucht, um einen Song zu schreiben!

ULK DANEBEN STINK

Osama lieferte den Teil 2 seiner Stand up Comedy Meine Integration in Deutschland. Viel Ulk und ein bisschen Stink über deutsche Ärzte und Eigenheiten.

KANTS LEIBKUNDEN

Schrieb Kant nicht über den belebenden Vitalsinn durch Musik? Das brachten Irini und Marci mit Gesang und Gitarre auf jeden Fall auf die Bühne! Begeistert schmetterten sie unter anderem Green Eyes von Coldplay und Falling Slowly aus dem Film Once.

TUNNK DARUNTER LIEBE

Stimmungsvoll: Frederika an der Gitarre und Julia an der Querflöte, California Dreaming singend.

DES KANN KEIN BLUT

... ungerührt lassen: Ivo am Cello erschien nun gegen alle Gewohnheit mal nicht als Begleitung sondern im Rampenlicht mit einem Stück von Rachmaninow (komponiert eigentlich für Klavier und Gesang) auf der Bühne, begleitet von Hannah am Klavier. Ergriffene Stille herrschte im Saal.

INSEKT KANN BLUDE

Und Pflanzen können geeignete Geräusche für elektronische Musik machen! Zu hören gab es von Manu gefertigte Musik, die mit besagter Pflanze aus der 2West-Küche, dem Flügel im Saal, Ivo am Cello und einem tropfenden Wasserhahn alltägliche Geräusche des Fichtehauses in einen meditativen Ausklang des Abends verwandelte.

Zum Abschluss bleibt nur zu sagen:

DANKI STUNK LEBEN!

An die, die ihr uns verzaubert habt und an die, die sich verzaubert haben lassen - Wir freuen uns auf den nächsten Kleinkunstabend!

- Kirsti

(Anagramme mit freundlicher Genehmigung von Linda)


Eine Hymne auf das Fichtehaus

In diesem Haus zu leben ist wie ein Wolke-7-Trip, der nicht endet. Es ist wie total verknallt zu sein – nur eben in ein ganzes Haus. Hier lachen und weinen wir, erleben jeden Sonnenaufgang und jeden Mond zusammen. 

Dieses Haus lebt, oh ja, und wie es lebt!

Hier wird künstlerisch gekocht, majestätisch minimiert (den ökologischen Fußabdruck), schillernd geschrubbt, brummend gebohrt, märchenhaft missverstanden, pünktlich geputzt, laut geliebt, erfrischend engagiert, traubenhaft geteilt, wohlriechend gewohnt, zärtlich gezankt. 

In diesem Haus gibt es Dinge, über die andere nur reden: Feingefühl, Empathie, Nächstenliebe, Engagement, Sympathie, Tiefgang, Großzügigkeit. 

Ja, vielleicht läuft auch hier nicht immer alles wunderbar phantastisch perfekt. Auch hier ist nicht alles gold, was glänzt - oder besser anthro, was bunt ist und Abbe-Ecken hat. Manchmal braucht's eben mal einen kleinen Tritt - per Erinnerungszettelchen, per gewaltfrei-kommunikatives Gespräch oder per Mail über den Verteiler.

Wir alle müssen uns immer wieder an der eigenen Nase packen: Das Revier in der Bib nicht markieren wie die Touris auf Mallorca. Klopapier auffüllen – so ganz im Sinne der Nächstenliebe. Orte krümellos verlassen. Flure passierbar machen.  Eine After-Party-Party feiern, wenn der Abend davor sichtlich genossen wurde. Ehrlich sein, wenn mal was schief geht. Verantwortung übernehmen. Ein Teil sein des bienenstockartigen Gewusels jeden zweiten Montagabend. Teilnehmen am Leben an dem Ort, an dem wir wohnen. Denn wir alle leben hier!

Unsere Küchen erzählen Geschichten. Die beginnen meist morgens um 7 mit Haferflocken und enden nachts um 5 mit containertem Teig mit Knoblauch- und Essiggurkenfüllung. Die Küchen erzählen Geschichten von Safrankeksen, veganen Würstchen, selbstgemachtem Sushi, Instant-Spaghetti, Tiefkühlpizza, Kuchen mit dem gewissen naturbelassenen Etwas, grenzwertigen Pilzen, experimentellen Gemüsepfannen mit unbekannten Zutaten, Schweinebraten mit Spätzle von der Mama. Hier gibt's keine frittierten Küken ohne Kopf, sondern Linsen - morgens, mittags, abends und nachts. Bei uns gibt's Gemüse und Obst aus der Kiste und Schlaraffenland-Berge aus Schokolade - ganz fein mit Waschpulver überzogen. 

Und dieses Haus leben von jedem einzelnen von uns! Von unseren Geschichten, unseren Leidenschaften, unseren Überzeugungen, unseren Fähigkeiten.  Es lebt von jedem einzelnen von uns! Und darauf dürfen wie stolz sein und dankbar, weil unsere Selbstverwaltung uns Raum bietet, uns zu entfalten.

Aber es bedeutet auch Arbeit! Klar, es ist einfach und verlockend sich bei 69 Leuten zu verstecken und froh zu sein, dass es niemand merkt. Aber das ist nicht das, was uns ausmacht. Was wir hier haben ist ein Geschenk. Ein riesiges Privileg. 

Dieses Haus lebt von jedem einzelnen von uns! Von Menschen, die gerne bauen, von denen, die gerne programmieren, analysieren, forschen, rechnen, erschaffen, von denen, die gerne zeichnen, spielen, lesen, Musik machen, reden, Kerzen anzünden, von denen, die gerne singen, in den Arm nehmen, tanzen, feiern, lachen, von denen, die gerne nachdenken, Tee trinken, demonstrieren, reisen, sich auspowern, lernen, telefonieren, teilen, schweigen, meditieren - leben!

von Hannah Köninger


Fräulein Fichtegeist

 So viel wird über mich gesprochen, so viel spekuliert. Manche skeptisch, manche bestimmt, einige enthusiastisch, andere gleichgültig. Lange war meine Existenz von Schweigen geprägt. Und so muss ich endlich sagen: Ja, es gibt mich! 

Gestattet mir, mich vorzustellen: Ich bin Fräulein Fichtegeist. 1958 wurde ich hier in der Herrenbergerstraße geboren. Ich war ein absolutes Wunschkind, ein Kind erwachsen aus Enthusiasmus und mit einer glanzvollen Zukunft.

So bin ich älter geworden und hatte in all den Jahren schon viele Kleider, Frisuren und Gesichter. Und doch bin ich stets ich geblieben. Seit Jahren seid ihr bei mir Gäste und ich bin bei euch Gast. Jahr um Jahr wechseln die Gesichter und geben mir so viel Anlass zur Dankbarkeit.

In diesem Haus Geist sein zu dürfen, bedeutet viel Wandel. So Vieles wird verwandelt und umgewandelt: Wandfarben, Leibgerichte, Sprachgebrauch und Lebensberichte. Pfannenbestände, Essensbeschaffung, Abflussprobleme und Stockwerkskostenerstattung. Kompostentsorgung, Entscheidungsorgane, Diskussionen über alles - bis hin zur Marke der Soja-Sahne. Klingende Lieder, Mietverträge, neue Traditionen und Gartenernteerträge. Lesekreise, Putzaufteilung, ein eigenes Wiki und wechselnde Kleidung. 

Neben all diesen äußeren Wandlungen, ist ein Wandel stetig da und verbindet alle Generationen. Der Wandel in euch. Ihr seid so jung im Gegensatz zu mir und so Vieles bewegt euch und bewegt sich in euch. Lasst euch gesagt sein, es ist eine Wonne das miterleben zu dürfen. Eure Jugend verbindet euch. Und ihr seid im Alter des Lernens. Ihr lernt in der Schule des Lebens und das Haus stellt den Raum dafür. Manche sind schon in höheren Klassen, manche ganz am Anfang, andere wieder in der ersten Klasse. Und so lernt ihr miteinander und voneinander.

 Die Gemeinschaft und das Zusammenleben sind es, die euch lehren. Eure Fächer sind bunter und zahlreicher, als in jedem Modulplan. Wisset, dass ihr Glückskinder seid, diese Schule besuchen zu dürfen. Sie gibt euch Kraft, Entwicklung, Erfahrung, Rückhalt, Austausch, Reife, Sicherheit, Toleranz, Klarheit, Freiheit. Diese sind die schönsten Diplome der Welt. Und auch an dieser Schule muss gearbeitet werden –  vom Genießen allein kommt nichts...

Spürt die Verantwortung, nehmt sie wahr, haltet sie mit beiden Händen fest und betrachtet sie. Sie ist wunderschön. Zeigt es, im Großen wie im Kleinen. Tragt die Verantwortung fest in euch. Tragt sie beim leisen Türeschließen, tragt sie bei der letzten Klopapierrolle, tragt sie beim Putzen mit Hingabe, Liebe und Freude, tragt sie bei jedem Verlassen der Küche, tragt sie bei überquellendem Kompost, trag sie den Menschen gegenüber, mit denen ihr die Schulbank teilt, tragt sie für die, die sich um einen geregelten Schulablauf kümmern, tragt sie bei Entscheidungen und tragt sie bei jedem Gremium, jedem Engagement, tragt sie in sensiblen Momenten. Tragt sie für euch, für das Haus, für alle um euch herum und tragt sie für mich. 

Denn dann entstehen so viele schöne Dinge dieser Welt: Rücksicht, Gespür, Verständnis, Toleranz, Akzeptanz, Zusammenhalt, Geborgenheit und Liebe. All das kann die Reinform des Glücks sein. 

Auch ich bin im Wandeln. Auch ich steige in denselben Fluss und doch nicht in denselben, auch ich bin es und bin es nicht. Auch ich, Fräulein Fichtegeist bin mal gestresst, mal frustriert, mal enttäuscht, mal euphorisch, mal motiviert, mal engagiert, mal phlegmatisch, mal schwelend ungut, mal laut glücklich... 

Was ich bin, liegt immer an euch. Aber ganz gleich wie ich bin, eines verändert sich in all der Zeit und bei all dem Wandel nie: mein Vertrauen in euch. Das ist endlos! Um es zu beweisen, würde ich mit einer prall gefüllten Gemüsekiste vom Keller bis unter’s Dach laufen und ihr alle kennt den Weg. Aber für heute müssen meine Worte genügen.

 Ich habe Vertrauen, dass ihr wahrnehmt: euch selbst, die anderen, eure Verantwortung. Dass ihr wahrnehmt, was das Haus braucht und welch riesige Chance es ist. Seid liebevoll und rücksichtsvoll miteinander. Nutzt eure farbenfrohe Vielfalt und schafft etwas Besonderes. Das Haus bietet so viele Möglichkeiten dazu! Seht jede Aufgabe positiv und vergesst einander nicht. Und noch viel wichtiger: Vergesst mich nicht, denn ich bin da und freue mich so sehr, bei euch sein zu dürfen!

Es grüßt euch von Herzen,

eure Fräulein Fichtegeist

von Hannah Köninger

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